So kam ich unter die Blogger. Ich foderte nicht viel und war gefasst, noch weniger zu finden. – Naja, das ist natürlich ein etwas abgewandeltes Zitat aus Hölderlins Hyperion1, er möge mir verzeihen. («Foderte» ist übrigens kein Tippfehler.)
Was habe ich, der sich schwertut, am Bildschirm zu lesen, da überhaupt zu suchen? Jedenfalls nichts zu klagen, wie Hyperion über die Deutschen. But what can a poor boy do, der nicht mal in einer Rock’n’Roll-Band singen kann (auch einer der unerfüllten Träume), aber schreiben möchte, weil es das ist, was ihn von früh an leitete, wohin er ein Leben lang strebt und von allen Dingen am wenigsten nicht kann. Und der doch meistens anderes getan hat, Umwege gegangen ist, weil das, was er – also ich – schrieb, nicht gerade zu den Objekten der Begierde von Verlagen gehört und ich auch keinen Wert darauflegte, in der Literaturszene notorisch Aufmerksamkeit zu fodern und die unumgänglichen Kontakte kurzzuschließen. Viel Essayistisches, oder auf gute Deutsch Versuche, ein einziger Roman, der in einer virtuellen Schublade mit mir altert, weil der eine von beiden Verlegern, die sich dafür begeisterten, durch Unfälle ausfiel und dem andern die Wünschelrute noch über keiner Finanzquelle ausgeschlagen hat.
Schreiben so für mich hin: Warum genügt das nicht?
Weil es trotz allem ein sozialer Prozess ist, wie einsam oder einseitig er auch eingeleitet wird und es manchmal der Anschein erweckt, es gebe mehr Menschen, die schreiben, als solche die lesen.
Bevorzugt habe ich seit jeher die kleinen Formen: Notizen, Tagebucheinträge, Aufzeichnungen, Gedanken, Beobachtungen – Marginalien eben, aus einem allseitigen, kritischen aber dem individuellen Menschen wohlgesinnten Interesse heraus. Und so bin ich – als Liebhaber der Schreibmaschine – denn nach langem Sträuben unter die Blogger gekommen.
Wenn man Anleitungen zu Blogs überfliegt, kommt darin rasch die Frage auf, wie man damit Geld verdient. Darum geht es hier nicht. So wenig wie sich darin als Lockvogel dienendes Bildmaterial findet. Einzig Texte, ausgefeilt oder spontan wie ein Brief: Anstöße zur Aufmerksamkeit, zur Achtsamkeit, zur Besinnung darauf, wer wir Menschen sind, in einer Zeit, in der Pflugscharen zu Schwertern gemacht werden und die Lust aufs Totalitäre in der Politik immer dreister hervorgekehrt wird. Dabei sang Mani Matter schon 1970:
«Und we me gseht, was hütt dr mönschheit droht
So gseht me würklech schwarz, nid nume rot
Und was me no cha hoffen isch alei
Dass si hemmige hei»2